Fotos: © Bildbuehne.de ©Thomas Tückmantel © ClaudeHilde
up to 50 spectators can see and hear the performance in front of the window while the gallery opens its doors for up to two customers at once. Please wait in the line and leave a minimum of 2 meters between you and the next customer. Please wear your protective masks.
Margarita Breitkreiz, Julia Thurnau, Daniel Wittkopp, Vladimir Stramko, Victoria Szpunberg.
Auch in Zeiten, in denen wir uns im vollen Besitz unserer Persönlichkeitsrechte, freiwillig sozusagen, den Regeln des Kapitalismus unterwerfen, sollte immer wieder ins Bewusstsein gerückt werden, dass jede Galerie eine Verkaufsfläche ist. In "ClaudeHildes Pop up Galerie" steht alles zum Verkauf: Die Kunst, die Performance, die Kleider der Darsteller*innen... Im Text "Die Sprachmaschine", sind sogar menschliche Lebewesen käuflich. Sie werden mit Fernbedienung und Gebrauchsanweisung vom Arbeitgeber geliefert, um den Käufer davon abzulenken, dass er in der Firmenhierarchie längst hätte aufsteigen müssen.
Die Verkaufsfläche öffnet ihre Türen die aktuellen Hygieneverordnungen beachtend für maximal zwei Kund*innen. Bis zu 50 Zuschauer*innen konnten unter freiem Himmel einer szenischen Lesung beiwohnen, während sie auf Einlass in die Verkaufsfläche warteten. Die Stimmen der Darstellenden und die improvisierte Livemusik waren vor der Galerie Vitrine zu hören. Ein Abstand von mindestens 2 Metern zur nächsten Kundin oder zum nächsten Kunden wurde dank zwei Einweiser*innen eingehalten. Die Zuschauenden stellen sich immer wieder neu an, um Zugang zur Pop up Galerie/ Verkaufsfläche zu erhalten. Ein Paradox entsteht. Denn die Warteschlange ist für das Schauen der Performance gestaltet. Das Warten auf den Einlass wird zum Theatererlebnis.
Kunst und Performance sind in ständiger Wechselwirkung. Von Innen lehnt an der Scheibe eine der Masturbierenden unter einem Tuch, sie scheint nach draußen zu blicken, sich aufzubäumen. Die Trennung ist deutlich spürbar. Alle sind allein. Die Skulpturen Fragmente oder der heilige Geist werden zur Außenhülle der Sprachmaschine. Der Teil des Raumes, in dem sich die schlafende Nixe, ein großformatiges Bild von Artist at Work, Die Antagonistin und zwei Masturbierende unter einem Tuch befinden, wird zum ‘Schlafzimmer’.
In der Galerie liegt der Fokus der Wahrnehmung auf den Skulpturen, den Fotos, dem Buch und der Preisliste. Die Galeriebesucher*innen werden Teil der Performance. Die Lesung wird mitunter unterbrochen, um Arbeiten und ihre Preise zu erläutern.
Hinter dem Sofa, auf dem die Protagonisten sitzen, wackelt und vibriert das überdimensionale (Broken) Hymen bei jedem Anruf der Mutter, denn es wird dagegen geschlagen. Nackte Körper drücken sich darauf ab, wenn im Text die gebrauchsanweisung des toyboys “Freudenhund” verlesen wird.
Die strahlend weiße Linkshänderin auf ihrem Sockel ist das erste Werk, welches die Ausstellungsbesucher*innen in der Galerie zur Betrachtung einlädt. Auf dem Sockel bietet das Buch “Disclosure” die Möglichkeit zu vertiefender Lektüre, doch die Privilegierten im Innenraum fühlen sich getrieben. Mit Blick auf die Wartenden draußen beeilen sie sich mit der Kontemplation, um den Nächsten den Eintritt zu ermöglichen.
(Broken) Hymen. 340 x 400 cm., DIS/CLOSURE ( 8 Skulpturen aus Epoxidharz 170x60x50 cm) 1 Sockel, weiss, 175x65x55cm, Antagonistin. Baustahl, Gummi, Draht. 170x60x50 cm
Artist at Work. C-Print: 60x120cm, Maria Dolorosa in times of Corona. A0 Leuchtkasten mit Mundschutz & Desinfektionsmittel. , 2x Fragmente 130 x 30 x 20cm. Epoxidharz, in Gelb und Blau., Performance: 2x2 Stunden oder 1x4 Stunden mit Margarita Breitkreiz, Julia Thurnau, Daniel Wittkopp, Vladimir Stramko, zwei Einweiser*innen, Sitzmöbeln, dem Text von Victoria Szpunberg und der aktuellen Corona Schutzverordnung.