ClaudeHilde reflektiert mit den Skulpturen Die Linkshänderin und Die Antagonistin sowie dem Buch DIS/CLOSURE den weiblichen Schaffensdrang sowie dessen Blockade durch patriarchale Strukturen in der westlichen Welt. DIS/CLOSURE untersucht geisteswissenschaftliche Diskurse über die weibliche Sexualität: Die Pathologisierung des weiblichen Sexualverhaltens wird als patriarchaler Herrschaftsversuch gelesen, welcher nicht nur die weibliche Sexualität kontrolliert, sondern über dieselbe auch das selbstbestimmte Leben von Frauen behindert.
Die Linkshänderin ruft die Selbstverständlichkeit weiblicher Sexualaktivität auf: Die direkte Erfahrung von körperlicher Lust, die im Ausdruck der Skulptur artikuliert ist, tritt in ein Spannungsverhältnis zu ihrem Titel. Dieser legt das Augenmerk auf die Hand selbst, wobei er deren Involvierung in die klitorale Selbstbefriedigung hervorhebt und den Fokus auf die leicht übersehene Aussagekraft der Hand verschiebt ˗ die Frau ist augenscheinlich eine Linkshänderin. Die Linkshänderin rückt die Frau als aktive und eigenmächtige Akteurin in den Mittelpunkt ihrer eigenen Sexualität und hebt die Selbstverständlichkeit der weiblichen Sexualaktivität hervor.
Die Antagonistin ist das von der Gussform auseinandergerissene, am Stahlgestell nachgebaute Negativ von Die Linkshänderin. Die Skulptur zeigt eine Frau, die immer noch sexuell aktiv ist, obwohl sie stark lädiert und angegriffen ist. Die Antagonistin verkörpert die Systeme der Verschleierung und Kontrolle, welche Frauen in ihrer Aktivität behindern und der weiblichen Entfaltung entgegenstehen. Die Antagonistin widersetzt sich in ihrer Sexualaktivität einer vollständigen Kontrolle und Disziplinierung.
Gwendolin Kaesdorf, Kuratorin u.a. der Rainbow Week 2020 im HdS D.
AdbK Jahresausstellung, Freiflächen: Claude Hilde, zeigt mit “Die Linkshänderin und Antagonistin“ zwei lebensgrosse Plastiken aus Epoxit Harz, die zwei unbekleidete masturbierende Frauen darstellen. Während die weisse Figur über einen intakten gut geformten Körper verfügt, versteht CLaude Hilde ihre auf brutale weise versehrt wirkende Antagonistin als Ausdruck der psychischen, gesellschaftlichen und sexuellen Verstümmelung, die dem Wandel der Geschlechterrollen bis Heute entgegensteht.
Frank Balve, Kurator Freiflächen AdbK Jahresausstellung 2012.
CLOSURE oder “6 Masturbierende unter einem Tuch” repräsentiert die Verhüllung welcher der Clitorale Orgasmus bis in die Heutige Zeit ausgesetzt ist. Im dunkeln ist die Klitoris kein Tabubruch.
Ab mitte Februar 2024 ist DIS/ClOSURE in der Zossenerstrasse 48, in Berlin Kreuzberg zu sehen.